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Weißgold-Legierungen (Schmucklexikon)

Die Bezeichnung Weißgold ist nicht standardisiert, sagt daher nichts über die tatsächliche Zusammensetzung der Legierung aus. Es gibt unzählige verschiedene Rezepte für Weißgold. Als Legierungspartner des Goldes kommen im Wesentlichen für Weißgoldlegierungen Silber, Palladium, Mangan, Nickel, Kupfer und Zink zum Einsatz, selten Platin, Chrom und Eisen.

Nickel bewirkt als Weißmacher für Gold einen recht neutralen und kalten, Edelstahl ähnlichen Weißton. Zink bleicht sehr neutral, kann aber Goldlegierungen nur in relativ geringen Mengen zugegeben werden, um die Anfälligkeit der Legierung für Oxidation bei Heißverarbeitung in Grenzen zu halten. Silber entfärbt mit einer leichten Tendenz ins Grünliche, das sehr stark entfärbende Palladium mit einer leichten Tendenz ins Rötliche. Dabei bleicht ein Zusatz von 0,5% Palladium etwa so stark wie 0,6% Nickel bzw. 1% Silber oder Zink.


Die Lieferanten von Weißgoldlegierungen geben normalerweise die genaue Zusammensetzung ihrer Legierungen nicht preis. Genannt wird der Goldgehalt, meist auch der Gehalt des wichtigsten Legierungsmetalls. Alles weitere verbirgt sich hinter Phantasiebezeichnungen wie "City" oder "H1".

Für Goldschmiede und Verbraucher ist dies ärgerlich, da bereits geringe Veränderungen einer Legierung zu sehr unterschiedlichen Materialeigenschaften führen können, und manche Weißgoldlegierungen lassen aufgrund zu geringer Härte oder Vergilbens nur sehr minderwertigen Schmuck entstehen. Vor Enttäuschungen schützen kann man sich als Verbraucher nur, indem man sich an Goldschmiede wendet, die über jahrelange Erfahrung mit 'ihrer' Legierung verfügen und diese auch belegen können.

Alle nachfolgend genannten Legierungstypen können auch Nickel als Legierungszusatz enthalten. Nickelfreiheit muss also ausdrücklich gewährleistet werden, sie ergibt sich nicht allein aus der Bezeichnung der Legierung.


Chromweißgold

Chromweißgold findet aufgrund ungünstiger Materialeigenschaften keine nennenswerte Verbreitung. Ein Chrom-Anteil von 13% in einer Zweistofflegierung entfärbt Gold zwar vollständig, die somit erzeugte Legierung ist jedoch praktisch nicht formbar. Es wurden verschiedene Mehrstofflegierungen mit Chrom-Anteilen bis ca. 14% entwickelt, die zwar form- und gießbar sind, jedoch aufgrund der Reaktionsfreude von chromhaltigen Legierungen mit Sauerstoff und Kohlenstoff nur in Schutzgasatmosphäre heiß verarbeitet werden können, weshalb sie für Goldschmiede praktisch nicht nutzbar sind.


Eisenweißgold

Eisenweißgold wird in Deutschland sehr selten verwendet. Diese harten Goldlegierungen gibt es beispielsweise als 750er Weißgold (75% Gold und 25% Eisen) mit bläulichem Farbton oder als grauweißes Gold (75% Gold, 8% Kupfer und 17% Eisen).


Manganweißgold

Manganweißgold ist eine spezielle, heute selten verwendete Weißgoldlegierung ohne Nickel und Palladium. Der Markt forderte diese Legierung wegen zunehmender Sensibilisierung bezüglich Nickelallergien und wegen des enormen Preisanstiegs von Palladium zum Ende der 90er Jahre. Manganweißgold neigt jedoch zu gelblichen Weißtönen und mangelhafter Anlauffestigkeit.

Die typische Härte (HV 5) von weichgeglühtem Mangan-Weißgold liegt bei 120. Durch Kaltverformung (60%) erhöht sich die Härte auf ca. 210.



'Kissen'

Dieser Kettenanhänger aus Gold hat seinen eigenen
Schmuckstuhl: 'Frau von Kissen'

Schmuck von Etla Breyer-König, Pforzheim.
'Kissen' KettenanhängerKlick für Großdarstellung



Nickelweißgold

Nickelweißgold, auch 'Unedles Weißgold' genannt, ist eine relativ billige Legierung mit den Komponenten Gold, Nickel und Kupfer, manchmal auch durch Zink ergänzt.

Zwar haben einige Gold-Nickel-Legierungen (z.B. Au58Cu15Zn10Ni17 bzw. Au75Pd10Ni15) einen hervorragenden Weißgrad ('Premium White'), sie neigen jedoch bei Arbeitstemperaturen ab ca. 800 °C zur Entmischung, wodurch Nickelweißgold an der Oberfläche leicht vergilben (oberflächliche Bildung von Nickeloxid bzw. Abreicherung von Nickel) und bei Heißverarbeitung (z.B. Löten) den Weißton verändern kann. Aus diesen Gründen wird Schmuck aus Nickelweißgold meist nachträglich rhodiniert.

Nickelhaltiges Weißgold sollte generell nicht für Schmuck verwendet werden, der zum dauerhaften Hautkontakt gedacht ist (z.B. Armreifen, Ohrringe oder Fingerringe), da Nickel ein starkes Allergen ist (siehe: Schmuckallergie, Nickelallergie).

Die typische Härte (HV 5) von weichgeglühtem Nickel-Weißgold liegt bei 145-210. Durch Kaltverformung (60%) erhöht sich die Härte auf ca. 280-310.


Palladiumweißgold

Palladiumweißgold wird oft auch als 'edles Weißgold' bezeichnet. Es handelt sich dabei gewöhnlich um eine Dreistofflegierung aus Gold, Silber und Palladium. Damit lassen sich Legierungen erzielen, die der Farbe von Platin sehr nahe kommen und zudem bei der Heißverarbeitung ihren Farbton nicht verändern. Palladiumweißgold gibt es auch als Zweistofflegierung, wobei der Palladiumanteil mindestens 16% betragen muss, um das Gold zu entfärben, z.B. 750er Weißgold (75% Gold, 25% Palladium).

Eine Legierung mit hervorragender Weiß-Charakteristik ('Premium White') ist das nickelfreie Weißgold 370 (Au37Ag11Cu20Pd32). Weitere nickelfreie Gold-Palladium-Legierungen mit gutem Weißton ('Standard White') sind Weißgold 450 (Au45Ag13Cu12Pd25) und Weißgold 580 (Au58Ag28Pd14).

Die typische Härte (HV 5) von weichgeglühtem Palladium-Weißgold liegt bei 90-160. Durch Kaltverformung (60%) erhöht sich die Härte auf ca. 150-275.


Platinweißgold

Platinweißgold gibt es zwar, aber es konnte sich nicht durchsetzen, da es zu dunkel, zu hart für die Verarbeitung und zu teuer ist. Es wird meist als 750er Weißgold (beispielsweise als Zweistofflegierung mit 75% Gold und 25% Platin) verwendet.


Silberweißgold

Silberweißgold besteht im Wesentlichen aus Gold und Silber, mitunter mit kleinen Zusätzen weiterer Metalle. Es wird beispielsweise als 590er oder als 750er Weißgold angeboten. Daneben gibt es auch Weißgold 333 (Au33Ag67) mit 67% Silberanteil. Diese Legierung hat einen guten Weißton ('Standard White'). (Korrekterweise müsste eine solche Legierung als 670er Silber verkauft werden, kurioserweise lässt das deutsche Kennzeichnungsrecht in diesem Fall eine Bezeichnung als Gold jedoch tatsächlich zu.)

Die typische Härte (HV 5) von weichgeglühtem Silber-Weißgold liegt bei 80. Durch Kaltverformung (60%) erhöht sich die Härte auf ca. 135.



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