Standardisierung von Weißgold (Schmucklexikon)
Die Bezeichnung
Weißgold ist derzeit noch nicht allgemeinverbindlich standardisiert, was Schmuckverarbeiter wie Verbraucher gleichermaßen verunsichert und den Kauf von teurem Weißgoldschmuck leicht zur Glückssache werden lässt.
Wie gelb, gelblich oder anders farbstichig darf
Gold sein darf, dass man es noch als Weißgold bezeichnen darf? Der Übergang von blassem
Gelbgold zu Weißgold ist stufenlos, und was der eine noch als warmes Weiß auffasst ist für andere schon ein eindeutiges Gelb.
Richtig gravierend wird dieses Problem aber erst durch die Tatsache, dass in Deutschland und vielen anderen Ländern Weißgoldschmuck ohne ausdrückliche Kennzeichnung
rhodiniert werden darf, wodurch man ihm zunächst überhaupt nicht ansehen kann, wie das verwendete Weißgold eigentlich aussieht. Die herbe Überraschung kommt dann nach Wochen oder Monaten, wenn die
Rhodinierung durch Abnutzung stellenweise verschwindet und in sehr hässlichem Kontrast zur kaltenweißen und makellosen Rhodiumschicht gelbliches oder fleckiges Weißgold zum Vorschein kommt.
Die Rhodinierung an sich wäre nicht unbedingt verwerflich, wenn der Kunde deutlich darauf aufmerksam gemacht würde, dass sich eine solche Beschichtung abnützt und kostspielige Nachbehandlungen fällig werden. Andererseits bietet diese Oberflächenbehandlung eine Einladung, völlig legal Pfusch zu vertuschen. Und besonders einige Schmuck-Discounter machen offenbar von der Rhodinierung von Weißgold sehr bewusst Gebrauch, um Kunden durch diesen unschönen Trick zu zwingen, ihren Schmuck regelmäßig zur Aufbereitung wieder einzusenden. So wird aus 'unvergänglichem Schmuck' für den Hersteller unvergänglich gewinnbringender Schmuck, und für den Kunden kann sich Billigschmuck zu einem teuren Ärgernis entwickeln.
Aus diesen Gründen hat die
White Gold Task Force, eine Initiative der
MJSA (Manufacturing Jewelers and Suppliers of America) und des
World Gold Council, im März 2005 für Weißgold eine Farbstandardisierung veröffentlicht (
ASTM Yellowness Index 1925). In dieser Richtlinie wird nicht nur definiert, welche Legierung noch als Weißgold zu bezeichnen ist, sondern auch ob sie hochwertig genug ist, ohne Rhodinierung verkauft zu werden. Derzeit ist das Papier lediglich noch eine Empfehlung an die Schmuckhersteller in den USA, möglicherweise wird aus ihr eines Tages tatsächlich ein verbindlicher ISO-Standard.
Bis dahin sollten sich Verbraucher beim Kauf von Weißgoldschmuck darüber bewusst sein, dass Weißgoldschmuck in den meisten Fällen rhodiniert ist, und man auf diese Weise tatsächlich die sprichwörtliche Katze im Sack kauft. Weißgoldschmuck, der keine Rhodinierung benötigt, ist daher allemal vorzuziehen. Auch kann man als Alternative zu Weißgold das bewährte und in vielen Hinsichten unproblematischere
Palladium in Betracht ziehen.
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