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Weichglühen (Schmucklexikon)


Durch Kaltverformung (z.B. Schmieden, Walzen, Ziehen, Treiben) werden die Kristallstrukturen von Metallen und metallischen Legierungen deformiert, und es entstehen innere Spannungen. Die Folge sind zunehmende Festigkeit, Härte und Spröde der verformten Materialien sowie vor allem eine zunehmende Anfälligkeit für Rissbildung, was die maximale Kaltumformbarkeit begrenzt.

Durch das Weichglühen - auch Zwischenglühen oder einfach nur Glühen genannt - können Schmucklegierungen wieder in einen spannungsfreien Ausgangszustand gebracht werden, der weitere Kaltbearbeitung erlaubt. Dabei werden die weichzuglühenden Materialien (z.B. Bleche, Drähte, halbfertige Schmuckstücke) auf eine bestimmte Temperatur erhitzt, wobei die optimale Temperatur und Zeitdauer materialabhängig sind.

Bei den hohen Temperaturen, die zum Weichglühen notwendig sind, werden die Atome in den Kristallverbünden beweglich, und es können sich wieder neue und feinere Kristallstrukturen ausbilden (Rekristallisation). Abgeschlossen wird das Zwischenglühen in den meisten Fällen durch Abschrecken.



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Praktische Regeln für das Glühen

Um unnötige Oxidation zu vermeiden, sollte so selten wie nötig geglüht werden. Die Glühtechnik sollte möglichst wenig Oxidation zulassen, d.h. unter Sauerstoffabschluss (zum Beispiel Vakuum, Schutzgasatmosphäre oder in geschmolzenem Salz) oder zumindest mit reduzierender Flamme. Besonders Silberlegierungen können bei falscher Glühung durch Tiefenoxidation leicht unbrauchbar werden.

Die Glühung sollte mit der legierungsspezifisch optimalen Temperatur erfolgen, jedoch ausreichend unterhalb der Schmelzpunkte (Solidustemperatur) eventuell bereits verwendeter Lote. Als grobe Richtlinie gelten die Temperaturen

Silber: 600 bis 650 (700)°C
Gold: (600) 650 bis 750 (800)°C
Palladium: 750 bis 800°C
Platin: 950 bis 1.000°C


Die Glühtemperatur sollte schnell und gleichmäßig erreicht und materialspezifisch für eine bestimmte Zeit gehalten werden. Bei den meisten Materialien empfiehlt sich danach ein Abschrecken in Wasser oder - bei kleineren Werkstücken - in Spiritus. Die optimale Glühdauer liegt je nach Material und Dicke zwischen (2) 5 und 10 Minuten.

Die Glühung sollte nicht vor einer Kaltverformung von mindestens 50% erfolgen, idealerweise wird sie erst nach Maximalverformung durchgeführt.

Drähte müssen unbedingt gleichmäßig geglüht werden um Brüche bei der Weiterverarbeitung zu verhindern. Mit der Flamme ist dies nur sehr schwer zu erreichen, weshalb Drähte vorzugsweise im reduzierenden Ofen weichgeglüht werden.





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Technik bzw. Techniken zur Weichglühung von Schmuck