Der Gemmologe Tobias Biehler schrieb 1860 in seinem Werk Über Gemmenkunst sinngemäß: "Interessant ist es, dass die Griechen anfänglich mit einem Stücke Holz gesiegelt haben sollen, welches vom Wurm zerfressen war, sie ahmten diese Wurmgänge später sogar in Stein nach, und ein solcher geschnittener Stein befand sich in der berühmten Stosch'schen Sammlung."
Plinius der Ältere zeigt sich recht uninformiert was Siegelringe betrifft. So behauptet er in seiner Naturalis Historia (ca. 77 n. Chr.), dass weder im Orient noch in Ägypten gesiegelt worden wäre, und metallene Siegel ein Erfndung aus der Zeit von Kaiser Claudius gewesen seien. Am liebsten aber lästert er über diese zu seiner Zeit vermeintlich neue Mode, dass jeder, selbst Sklaven, neuerdings metallene oder in Metall gefasste Siegel aus Stein am Finger tragen und damit rumprotzen müsse: "Schon einen einzigen Ring am kleinen Finger zu tragen, ist ein Zurschaustellen, dass man noch Wertvolleres zuhause besitze. Andere prahlen vollends mit dem Gewicht ihrer Ringe."
Noch in der Antike, besonders aber im Mittelalter, bildeten sich verschiedene Spielarten der Siegelringe aus, die zum Teil bis heute weitergeführt wurden, z.B. Siegelringe mit Wappen (Wappenringe), mit Handwerks- und Zunftzeichen (Zunftringe) und Siegelringe, die ihren Besitzer mit Bilder- und Buchstabenrätseln verschlüsselten, statt ihn zu bezeichnen. Ein frühes Exemplar dieser kryptischen Ringgattung stammt aus der zweiten Hälfte des 7. Jahrhunderts aus dem Merowingischen (Mazerny, heute Museum in Rethel). Der Goldring zeigt ein großes S und scheinbar wirr angeordnete, reduzierte Buchstaben, die richtig zusammengesetzt als 'sigillum anneae', also 'Annas Siegel' entziffert werden können. Das Mittelalter hinterließ uns eine Unmenge solcher, zum Teil recht witziger Ringe.
Siegelringe
5. Jh. v. Chr.; griechisch (ion., pers.)
Chalcedon-Intaglio, Gold; Mischwesen
Grabbeigabe; ägyptisch, 18. Dynastie
Gemme aus glasiertem Ton (Tut Ench Amun)
(beide Schmuckmuseum Pforzheim)
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Vielleicht der berühmteste Siegelring ist der päpstliche Fischerring (anulus piscatoris), das Symbol der päpstlichen Macht. Der Ring wird jeweils nach dem Tode eines Papstes durch den Camerlengo (Kardinalskämmerer der Heiligen Römischen Kirche) mit einem Hammer zerstört. Der Ring trägt seinen Namen nach der Szene des Siegelbildes, in dem der Heilige Petrus, in einem Kahn stehend, ein Fischernetz einzieht. Das Symbol bezieht sich auf eine Passage des Mattäus-Evangeliums (Kap. 4, 18-19), in der Jesus spricht: 'Folgt mir nach. Ich will euch zu Menschenfischern machen.' Der Fischerring ist seit dem 14. Jahrhundert Amtsring des Papstes und Teil der päpstlichen Insignien.
Unser Wort 'Siegel' ist entlehnt aus dem lateinischen 'sigillum' (Siegelabdruck), einer Verkleinerung von 'signum' (Zeichen, Kennzeichen).
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