Siegelringe (Schmucklexikon)
Bei der Klassifikation von Ringtypen wird das Wort 'Siegelring' nicht allzu wörtlich genommen. Man versteht heute unter dem Begriff im Allgemeinen alle Ringe mit (negativ) eingeschnitzen Figuren oder Schriftzeichen (Intaglien) oder sonstigen Hinweisen auf eine Siegelring-Funktion. Tatsächlich wissen wir oft nicht genau, ob frühe Siegelringe tatsächlich benutzt wurden, um Eindrücke in Siegellack zu hinterlassen oder nur, um generell Eindruck zu schinden, denn viele Siegelringe waren ganz offensichtlich zum Versiegeln ungeeignet gebaut worden und sollten wohl nur demonstrieren, dass man wichtig genug war, einen Siegelring zu besitzen.
Ein Siegel ist der räumliche Abdruck eines Stempels in einer weicheren, auf dem zu versiegelnden Material fest haftenden Masse, z.B. Ton, Wachs,
Blei und seit dem 16. Jahrhundert Siegellack, einer Mischung auf Basis von Kolophonium, Schellack, Terpentin und Pigmenten. Das Siegel diente als Echtheitsbeweis und als Verschluss, besonders von Briefen bzw. Briefrollen.
Das Versiegeln ist übrigens keineswegs ausgestorben, sondern wird in vielen Bereichen noch täglich angewandt, wenn auch meist in technisch veränderter Form, z.B. als Notar- und Polizeisiegel oder als Plombierung, und noch heute verlangt die Post in vielen Teilen der Welt für Wertpakete eine Versiegelung mit Siegellack und Siegelstempel, der freilich für wenig Geld beim dem Postamt nächstgelegenen Kiosk gekauft werden kann.
Siegelringe haben eine lange Tradition
Die ersten bekannten Siegelstempel stammen aus dem 4. vorchristlichen Jahrtausend und wurden wohl an Bändern und Ketten um den Hals oder am Arm getragen. Später wurden Rollsiegel und Siegelringe verwendet. Da letztere sich auch als Statussymbole und Schmuckstücke eigneten, fanden sie bis in die Moderne sehr weite Verbreitung.
Ein im Ostiran (bei Tepe Jahja) gefundener Siegelring aus dem 3. vorchristlichen Jahrtausend befindet sich im Louvre. Der aus einem Serpentin-Stück gefertigte Ring hinterlässt als Abdruck drei Ovale, in deren größtem ein gebuckelter Stier zu sehen ist. Zum ständigen Tragen war der Ring wegen seiner ausladenden äußeren Form jedoch ungeeignet.
Ein etwa 3.500 Jahre alter hethitischer Siegelring aus
Kupfer (Bogazkoy, heute im Louvre) hinterließ als Abdruck die Silben eines Frauennamens (La-la-wi) und legt den Schluss nahe, dass Frauen damals bereits eine Rolle im Geschäftsleben führten.
Aus der gleichen Zeit stammt ein berühmter kretischer Siegelring aus
Gold (Mykene, heute Nationalmuseum Athen), dessen außerordentlich detailreiches, 3,4 cm breites Intaglio anscheinend eine Opferszene darstellt. Siegelringe aus kretischer Zeit waren oft sehr kunstvolle Ringe, bei denen der Siegelteil beweglich war und zur Haut hin geklappt werden konnte, um die Siegelseite zu schützen (oder zu verstecken?).
Die Ägypter blieben natürlich ihren geliebten Skarabäen treu und benutzten weitgehend diese als Siegelringsymbole.
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