Schwefelleber ist eine klassische Mixtur, hergestellt aus Pottasche und Schwefel, die von Goldschmieden zur Sulfierung, also zur Schwärzung von Silber verwendet wird.
Die heute meist als Fertigpräparat verschiedener Erzeuger bezogene Chemikalie lässt sich auch leicht selbst herstellen: Dazu wird je ein Teil Kaliumcarbonat (Pottasche, K 2CO 3) mit einem Teil pulverisierten Schwefels (Schwefelblüte) vermengt und mit etwas Wasser zusammengeschmolzen. Es entstehen dabei im Wesentlichen Kaliumthiosulfat und Kalium(poly)sulfid. Das nur begrenzt haltbare Präparat wird in Wasser getaucht, in dem dann das zu sulfierende, vorher sorgfältig gereinigte und entfettete Schmuckstück geschwenkt wird. Dabei bildet sich ein Überzug aus Silber- und Kupfersulfid auf dem Schmuck. Die Verarbeitung empfiehlt sich warm, aber nicht kochend, die Schwärzung erfolgt innerhalb weniger Sekunden bis Minuten. Die Farbe der Lösung sollte sattgelb sein, wenn die Konzentration der Schwefelleber im Tauchbad zu hoch ist, besteht die Gefahr, dass sich spröde und abplatzende Sulfidschichten ausbilden. Durch Pinselverarbeitung oder teilweises Abdecken des Schmuckstücks lassen sich auch partielle Schwärzungen erzielen.
Außer Silber lassen sich auch Kupfer und Kupferlegierungen sowie niedriglegiertes Gold (Braungold) mit Schwefelleber sulfieren, jedoch bieten sich für diese zum Teil geeignetere Rezepturen an.
Bereits Meyers Konversationslexikon von 1888 beschrieb Schwefelleber, jedoch nur als medizinisches Präparat:
Schwefelleber (Hepar sulphuris, frz. foie de soufre alcalin; engl, liver of sulphur). Diesen Namen führen im allgemeinen alle in Wasser löslichen Verbindungen des Schwefels mit Metallen. Da die Schwefelverbindungen der gewöhnlichen schweren Metalle unlöslich sind, so fallen in diese Klasse nur die der Alkalimetalle und der Metalle der erdigen Alkalien, also die des Kaliums, Natriums, Calciums etc. Im besondern bezeichnet der Name jedoch nur die Kalischwefelleber (Schwefelkalium, Kaliumsulphid, Kaliumsulfuret, Kalium sulphuratum, Hepar sulfuris kalinum), da diese die gewöhnlich gebräuchlichste ist. Sie wird erhalten durch Zusammenschmelzen von 2 Tln. trockner gepulverter Pottasche und 1 3/4 Tln. Schwefelblumen, bis die Masse ruhig fließt. Diese wird dann ausgegossen und nach dem Erkalten entweder sofort grob gepulvert und unter Verschluß gebracht, da ihr der Lufteinfluß verderblich ist, oder auch in ganzen Stücken aufbewahrt. Sie ist nicht das reine Schwefelkalium (das sich übrigens mit starkem Weingeist ausziehen läßt), sondern enthält neben diesem noch viel schwefligsaures, schwefelsaures und unterschwefligsaures Kali. Das Schwefelkalium ist hier größtenteils als Fünffachschwefelkalium (Kaliumpentasulfid) vorhanden. Frisch bereitet, sieht die Masse braun, lederfarben aus, ist geruchlos und von muscheligem Bruch; sie zieht aber rasch Kohlensäure, Sauerstoff und Wasser aus der Luft an, zersetzt sich damit und riecht dann nach faulen Eiern, d. h. Schwefelwasserstoff. Man kauft sie daher am besten in ganzen geschlossenen Büchsen. Diese Ware, die sich im Wasser zu einer grünlichgelben Flüssigkeit auflöst, dient ausschließlich zu künstlichen Schwefelbädern gegen Hautübel, rheumatische und gichtische Zustände, und hat die Bezeichnung "zu Bädern" (pro balneis). In den Apotheken ist außerdem noch das gleiche Präparat aus gereinigten Materialien hergestellt vorrätig.
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