Niello (Schmucklexikon)
Der Begriff 'Niello' bezeichnet sowohl ein Material (das Niello bzw. die Niello-Masse) als auch ein Verfahren. Oft wird auch ein mit Niello verziertes Werkstück so bezeichnet, und in dieser Bedeutung ist auch die Pluralform 'Nielli' gebräuchlich. Das 'Niellieren' ist das Verzieren eines Werkstück mit Niello.
Bei Niello werden in Metall eingravierte Vertiefungen mit Niello (im Wesentlichen pulverisiertes Silbersulfid) ausgefüllt, wodurch schwarze, feine Zeichnungen oder Ornamente haltbar in Metalloberflächen eingearbeitet werden können.
Niellomasse besteht aus einer
Legierung aus
Silber,
Kupfer,
Blei und Schwefel. Es gibt zahllose Zubereitungsrezepturen für Niello. Dabei beträgt das Mengenverhältnis zwischen Silber, Kupfer und Blei z.B. zwischen 6:2:1 (nach Wilson) und 1:5:7 (persisch). Die russische Variante Tula weist das Mengenverhältnis 3:5:7 auf, Theophilus empfahl 4:2:1. Einige Rezepte sehen auch die Zugabe von Antimon vor.
Bei der Herstellung werden meist zunächst die Legierungen Silber-Kupfer und Blei-Schwefel getrennt erzeugt und danach in einem mit einer Borax-Schwefel-Mischung beschichteten Tiegel unter Rühren zusammengeschmolzen. Die entstehende Niellomasse wird nach dem Erkalten zu feinem Pulver zerkleinert.
Beim Niellieren wird Niello-Pulver in Vertiefungen im Werkstück eingefüllt, dann wird es bei ca. 500 °C zum Schmelzen gebracht, und nach dem Erkalten wird die entstandene Niello-Masse plangeschliffen und poliert.
Als zu niellierende Metalle eignen sich besonders
Silber und hochlegiertes
Gold. Kupfer,
Messing und
Neusilber lassen sich nicht niellieren. Wegen der relativ niedrigen Schmelztemperatur können - anders als bei der Verarbeitung von
Email - auch bereits fertig montierte Schmuckstücke noch mit Niello verziert werden.
Erste Niello-Verzierungen finden sich bereits auf 3.000 Jahre altem ägyptischen Schmuck. Aus späterer Zeit findet man Niello geografisch sehr weit verbreitet, technische Perfektion wurde besonders in Italien während der Renaissance erreicht.
Das italienische Wort 'Niello' geht auf das lateinische 'nigellus' zurück, der Verkleinerungsform von 'niger' (schwarz). In Russland wird diese Technik 'chern' (schwarz) genannt. Der russische Herkunftsort Tula bzw. Tulla (nahe Moskau) gab der Technik aus diesem Bereich ihren Namen.
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