Giftringe (Schmucklexikon)
Die Bezeichnung 'Giftringe' lässt zwei vollkommen unterschiedliche Interpretationen zu. Zum einen können damit Fingerringe gemeint sein, die die Anwesenheit von Gift verraten bzw. vor Gift schützen sollen, zum anderen solche Ringe, die Gift enthalten, um sich selbst oder andere vergiften zu können.
Die erste Variante zählt zur Kategorie der magischen bzw. Zauberringe. So wurden im Mittelalter Ringe mit Steinen (z.B. Krötenstein, möglicherweise eine fossile Versteinerung) versehen, die zum Entdecken von Giften dienen sollten.
Über die anderen Giftringe, die seit jeher die Autoren von Kriminalromanen inspirieren, gibt uns Plinius d. Ä. in seiner 'Naturkunde' (ca. 77 n. Chr.) interessante Hinweise. An einer Stelle berichtet er von einem Tempelhüter, der bei seiner Gefangennahme den
Edelstein ('gemma') seines Fingerrings zerbiss und sofort verschied. Offenbar handelte es sich bei dem 'Edelstein' um einen giftigen Kristall oder um ein raffiniertes Behältnis für Gift. An anderer Stelle schimpft Plinius über die Unsitte, mit Schmuck rumzuprotzen und erwähnt: "... andere hingegen schließen Gift unter die Edelsteine ein, wie Demosthenes, der größte Redner Griechenlands, und tragen Ringe nur um des Todes willen". Demosthenes (384-322 v. Chr.) beging tatsächlich mit Gift Selbstmord, allerdings war der Giftstoff laut verschiedener Quellen eventuell auch in einem Schreibrohr oder einem hohlen Armreif versteckt.
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von Uschy Schleipfer, Frankfurt.
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Berühmt sind die Giftringe der Borgia, einem aus
Spanien stammenden Adelsgeschlecht, das im
Italien des 15. Jahrhunderts berüchtigt dafür war, sich seiner Gegner durch Giftmischungen zu entledigen, doch sind diese Giftringe bisher nicht nachgewiesen und möglichweise eine Legende.
Andere, wie Giftringe aufgebaute Ringe waren zur Aufnahme von beispielsweise Parfums oder Reliquien konzipiert. Zeitgenössische Giftringe dürften wohl eher für Rauschgifte oder Potenzmittel in Auftrag gegeben werden. Allen gemeinsam ist jedoch, dass sie - ausreichend gesichert - eine kleine Menge von Chemikalien aufnehmen können.
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