Galalith (Schmucklexikon)
Galalith, 1898 von Wilhelm Kriesche patentiert und seit etwa 1901 am Markt erhältlich, war einer der ersten Kunststoffe überhaupt. Wie der Name schon andeutet (griech. Kunstwort, übersetzt 'Milchstein') wird Galalith aus dem Milchprodukt Casein hergestellt. Wenn Galalith verbrannt wird, erinnert der entstehende Geruch nach verbrannter Milch noch an diese Herkunft.
Das undurchsichtige bis durchscheinende Material ist, im Gegensatz zu dem bereits Mitte des 19. Jahrhunderts aufgekommenen Celluloid, unbrennbar, und es weist dem
Horn sehr ähnliche Eigenschaften auf, weswegen es auch unter der Bezeichnung 'Kunsthorn' (bzw. 'Edelharz') vermarktet wurde. Galalith lässt sich leicht drehen, bohren, fräsen, prägen, polieren und - vor allem - beliebig einfärben. So wurde Galalith bald in praktisch allen Farben, durchscheinend und opak, homogen gefärbt oder marmoriert, geschliffen oder poliert sowie als Imitationen von Horn, Schildpatt, Sephia und mehr in Form von Platten, Stäben und Rohren angeboten.
Ursprünglich als Rohstoff für weiße Schultafeln entwickelt, wurde Galalith für Knöpfe und Art Déco Schmuck (z.B. Jabob Bengel in Idar-Oberstein, Henkel & Grosse in Pforzheim, Auguste Bonaz in Frankreich), aber auch für viele technische und militärische Zwecke eingesetzt. Das Maximum der Produktion war 1938 erreicht. Mit Kriegsbeginn wurde der Ausstoß aufgrund des Mangels an Casein stark gesenkt, und nach Kriegsende wurde der Werkstoff durch moderne, gießbare und hitzeverformbare Kunststoffe verdrängt.
In den USA wurde Galalith unter den Handelsnamen 'Erinoid', 'Karolith', 'Aladdinik' und im Schmuckbereich als 'Corolite' verkauft, konnte sich jedoch gegen das seit 1910 erhältliche Bakelit (Bakelite) kaum durchsetzen.
Heute gibt es noch in Italien einen Produzenten für Galalith.
Siehe auch Ausstellungsbesprechung:
Art Déco Schmuck: Jakob Bengel Idar-Oberstein
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