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Blaugold (Schmucklexikon)


Blaues Gold, auch Blaugold, Indigogold oder Blue Gold genannt, ist seit Jahrzehnten eine Herausforderung für Schmuckhersteller, ganz besonders seitdem Schmuck aus Titan und Edelstahl in leuchtend blauen Farbtönen die Phantasie der Verbraucher beflügelt hat und die Nachfrage nach solchen Schmuckstücken aus Edelmetallen gestiegen ist. Die Probleme, die sich dabei dem kreativen Goldschmied stellen, sind enorm, denn die optischen Eigenschaften von Gold müssen quasi umgepolt werden, um das eigentlich gelbe Metall in der Komplementärfarbe Blau erscheinen zu lassen.

In der Praxis werden zur Herstellung von Blaugold zwei getrennte Wege begangen, und der Stein bzw. das Blaugold der Weisen liegt wahrscheinlich in einer Kombination von beiden, wobei jedoch alle heute erzielbaren Ergebnisse noch zu wünschen übrig lassen. Wie jedoch zahlreiche Patentanmeldungen in den letzten Jahrzehnten zeigen, ist die Zeit der Alchemisten noch nicht ganz vorbei, und experimentierfreudigen Goldschmieden winken Ruhm und Reichtum, wenn sie verbesserte Rezepte und Verfahren zur Herstellung dieses Farbgoldes finden und ihre Erfindungen schützen und vermarkten.


Blaue Goldlegierungen

Es gibt verschiedene mehr oder weniger blaue Goldlegierungen, beispielsweise:

Indium.
. Galliumgold ist eine relativ weiche, blaugraue Legierung mit blauem Schimmer.

(Siehe auch das an den blauen Farbbereich angrenzende violette Amethystgold)

Alle diese Legierungen weisen unbefriedigende Blautöne sowie für die Herstellung von Schmuck ungenügende Materialeigenschaften auf. Zwar lassen sich durch verschiedene Legierungszusätze noch beträchtliche Verbesserungen erzielen, aber dennoch konnte sich keine dieser Legierungen in der Schmuckherstellung etablieren.


Beschreibung der Legierungen

. Indiumgold: AuIn2 (z.B. Au460In540), Dichte 10,3, Schmelztemperatur 540°C
. Galliumgold: AuGa2 (z.B. Au585Ga415), Dichte 10, Schmelztemperatur 490°C



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Oberflächenbehandlung

Die andere Methode Gold blau zu färben besteht in der Erzeugung von Anlauffarben, einer Metallfärbetechnik. Solche Farben entstehen oft bei Hitzebehandlung oder Elektrooxidation von Metallen und werden gewöhnlich durch Interferenz sehr dünner Oxidationsschichten bewirkt. Der Nachteil dieser Methode besteht darin, dass Anlauffarben nur oberflächlich bestehen und durch Abrieb langsam verschwinden. Mechanisch stark beanspruchter Schmuck, besonders Fingerringe, sollten daher allenfalls bedingt aus oberflächenbehandeltem Blaugold hergestellt werden, und Schmuckhersteller wie Schmuckhändler sollten deutlich darauf hinweisen, dass solche Legierungen nicht durchgefärbt sind.


Beschreibung von Legierungen und Methoden

Die Gold-Eisen-Legierungen Au750Fe244Ni6 (Graugold) bzw. Au850Fe144Ni6 (warmgraues Gold) lassen sich durch Hitzebehandlung zwischen 450 und 600°C (10-12 Minuten) unter visueller Kontrolle blau färben. Dieses Verfahren wurde von dem in Genf ansässigen Juwelier Ludwig Muller 1991 patentiert. Das Gold 750 nimmt dabei eine blaugrüne, das Gold 850 eine sattere blaue Farbe an. Die Farbwirkung entsteht wohl durch die oberflächliche Oxidation von Eisen sowie einer kleinen Menge Nickels. Neben Schmuck aus diesem Blaugold, den Muller selbst herstellt und vermarktet, existieren auch französische Sammlermünzen der Monnaie de Paris zum 50. Jahrestag der Europa-Flagge, die teilweise aus diesem Material gefertigt wurden sowie erlesene Uhren mit diesen Materialien, z.B. von Sven Andersen.

Von dem etwa 1905 in Verona geborenen und seit dem 2. Weltkrieg in Argentinien lebenden Juwelier Vittorio Antoniazzi entwickeltes Blaugold bzw. Blue Gold wurde z.B. als magnetische, blau irisierende 916er Goldlegierung 1985 patentiert und 1988 auf der Schmuckmesse Basel vorgestellt. Eine der von Antoniazzi in einem Patent aus 1995 beschriebenen Legierungen enthält außer Gold (80-88%) noch Nickel (3-5%), Chrom (2-3%), Molybdän (0,2-0,4%), Vanadium (0,2-0,4%), Kohlenstoff (0,7-1,5%), Wolfram (1,5-2,5%) und Eisen (3-6%). Diese Grundlegierung dürfte an sich eine blaugrau Farbe aufweisen, weshalb Abrieb zunächst relativ unauffällig bleibt. Die intensiv blaue Farbe entsteht durch eine kurze (30 Sekunden) Flammennachbehandlung bei 1.800°C, die möglicherweise in Kombination mit dem gebundenen Kohlenstoff eine bläuliche Tiefenoxidation bewirkt. Der oberflächliche Oxidfilm ist etwa 3-6µ dick. Der Herstellungsprozess wird streng geheim gehalten, und Antoniazzi enthüllte lediglich, dass sowohl Bestandteile der Legierung als auch der Zeitablauf und die Temperatur entscheidend seien. Die Verarbeitungseigenschaften sollen angeblich denen von Weißgold ähneln.



Blaugold 850 nach Muller
Blaugold 916 nach Antoniazzi

Referenz-Glieder: Silber 925 (li.), Gelbgold 750 (re.)

Die Goldfarben wurden anhand der uns vorliegenden Informationen digital simuliert. Als Modell dient das Hummer-Armband von Uschy Schleipfer, Frankfurt.

BlaugoldKlick für Großdarstellung BlaugoldKlick für Großdarstellung



Der amerikanische Goldschmied Steven D. Kretchmer entwickelte ebenfalls Verfahren zur Blaufärbung von Goldlegierungen, besonders für die Verarbeitung zu Mokume-Gane. In dieser Technik wurden schon vor 300 Jahren pflaumenblaue Patinierungen von Goldlegierungen bzw. Blaufärbungen der goldhaltigen Legierung Shakudo beschrieben.

Daneben gab es aber auch schon in den 60er Jahren anderes Blaugold, das seine blaue Farbe ebenfalls aufgrund von Oberflächenbehandlungen erhielt. Die möglicherweise früheste Darstellung von blauem Gold stammt aus einem technologischen Wörterbuch von F. Tolhausen und C.-D. Gardissal aus dem Jahr 1855. Der Eintrag lautet: 'Blaugold: 3/4 Gold, 1/4 Eisen, blue gold; fine gold 750, iron 250, or bleu.' Eine bloße Erwähnung einer blauen Goldlegierung findet sich bereits in einer französischen Enzyklopädie (Plomteux, Band 15) aus dem Jahre 1788.



Punzierung von Blaugold

Blaugold darf in Deutschland ab einem Feingoldgehalt von mindestens 33,3% Gold genannt und als solches (Gold 333) gestempelt werden, in den meisten anderen Ländern jedoch erst ab einem Goldgehalt von 37,5% (Gold 375) oder 58,5% (Gold 585).





Dies ist nicht die Webpräsenz der präsentierten Goldschmiede und Goldschmiedinnen, und sie spiegelt nicht deren Meinung wider, aber sie ist inspiriert durch deren Schmuck und mit diesem illustriert.

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Blaugold ist blaues Gold, Blaugoldlegierungen. Eine blaue Goldlegierung ist eine Blue Gold Blaugoldlegierung