Bein (Schmucklexikon)
Bein ist eine (nicht ganz korrekte) Sammelbezeichnung für Knochen, Horn, Schildpatt, Geweih,
Elfenbein, Zahn und Fischbein und gehört mit Muscheln und Schnecken zu den frühesten Materialien, aus denen Menschen Schmuck herstellten. Es gibt sehr alte Funde von Beinschmuck. Zu den bekanntesten gehört ein in Russland (Sungir) entdecktes 28.000 Jahre altes Grab. Die dort bestatteten drei Personen waren mit über 4.000 auf Fellmützen und Umhänge aufgenähten Perlen aus
Mammut-Elfenbein, einem Gürtel mit 250 Zähnen von Polarfüchsen sowie Armbändern, Anhängern und mehr verziert.
Knochen
Knochen waren aufgrund der reichlichen Verfügbarkeit sowie ihrer enormen Zug- und Druckfestigkeit bis zur Bronzezeit eines der wichtigsten Rohstoffe für Waffen, Gebrauchs-Gegenstände, aber auch Schmuck und Kultobjekte. Wildknochen sind deutlich härter als die der Haustiere, aber verwendet wurde letztlich alles: Die Spannbreite reicht von Flöten aus Kranichknochen (Fundstelle Großsachsenheim, römische Zeit) oder Menschenknochen (Fundstelle Tübingen Kornhaus, 13. Jahrhundert) bis zum menschlichen Schädel als Grabgerät (Fundstelle Walheim, römische Siedlung) oder menschlichen Unterkiefer als Armreifen (Fundstelle Ilsfeld, Michelsberger Kultur), um nur ein paar Beispiele aus Grabungen im deutschen Raum zu nennen.
Entfettet und gebleicht wird Knochen fast reinweiß und ist sehr langlebig. Etwa zwei Drittel der Knochenmasse bestehen aus anorganischen Substanzen wie Kalziumphosphat, Kalziumkarbonat und Kalziumfluorid, der Rest ist das organische Ossein, eine elastisch-biegsame Kollagensubstanz.
Geweih
Auch Geweih ist Knochensubstanz, die jedes Jahr neu abgeworfen wird, sozusagen also 'nachwachsender Rohstoff'. Junges Geweih besteht aus von einer Hautschicht (Bast) umgebenen Knorpelmasse, die im Laufe der Zeit verknöchert. Erst kurz vor dem Abwurf ist die Verknöcherung maximal fortgeschritten, und das Geweih hat dann etwa die doppelte Härte (Dämpfung) von normaler Knochensubstanz.
Horn
Im Gegensatz zum Geweih wird Horn nicht abgeworfen, sondern ein Leben lang getragen. Auch der Aufbau unterscheidet sich deutlich vom Geweih: Die Hornsubstanz, Hornscheide genannt, ist identisch mit Haaren, Fingernägeln, Hufen oder Krallen und hat einen knöchernen Kern, den sogenannten Hornzapfen.
Fischbein
Als Fischbein werden die Barten von Bartenwalen bezeichnet, eine hornige, biegsam-elastische Substanz.
Schildpatt
Schildpatt stammt aus dem Panzer von Schildkröten, besonders der Karettschildkröte, und ist eine hornähnliche Substanz.
Elfenbein
Elfenbein ist aus Stoßzähnen von Elefanten (bis zu 90 Kilogramm pro Zahn) und - im weiteren Sinne - Stoßzähnen von fossilen Mammuts, Eckzähnen von Walrossen, Fluss- und Nilpferden, sowie Zähnen von Narwal und Pottwal. Der Name 'Elfenbein' leitet sich nicht von 'Elfen', sondern von 'Elefantbein' ab. Elfenbein ist weiß, nahezu strukturlos, polierfähig, kaum bis mäßig gilbend, bleichbar, kann mit kochendem Wasser biegsam gemacht werden und hat eine
Mohshärte von 2 - 3.
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