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'Über Gemmenkunde' von Tobias Biehler (erschienen 1860) - Seite 12


Ein Inhaltverzeichnis mit Links zu den Seiten und Kapiteln finden Sie hier: Historische Texte.




Abraxas

Die Abraxas-Gemmen enthalten mystische Darstellungen späterer Geheimlehren, hervorgegangen aus der Zusammenfassung ägyptischer, griechischer und orientalischer Religionen. Man pflegt diese sämtlichen Abraxas den christlichen Basilidianern und Ophiten zuzuschreiben; allein die nachfolgend erwähnten Gemmen werden die Überzeugung bieten, dass jenen Sektierern darin entweder Unrecht geschieht, oder dass Basilides und seine Anhänger  gar keine Christen gewesen sein können. Es finden sich nämlich auf diesen Amuletten die verschiedensten ägyptischen und  griechischen Götterwesen, hebräische Gottes- und Engelnamen, ja selbst kabbalistische Abstraktionen; allein nirgends eine Hindeutung  auf das Christentum. Bei der Neigung der Gnosis, alle Gegensätze zu vermitteln, ist dies sehr bemerkenswert. Der Name Abraxas wurde von Basilides zur  Bezeichnung Gottes empfohlen, weil derselbe nach der Zahlenbedeutung seiner Buchstaben die Summe 365 ergibt, und eben so viele Himmel sein sollen, jenseits welcher der eigentliche Gott wohne, der über den unvollkommenen Schöpfer der Welt unendlich erhaben wäre. Eine andere Deutung lässt den Namen Abraxas aus dem griechischen [griech. Text.] (Erlösung durch das Holz des Kreuzes) zusammengesetzt sein; und dieses mögen die christlichen Gnostiker geglaubt haben. Wahrscheinlich ist derselbe früheren Ursprungs und dem Sonnendienst angehörig. Dagegen erweisen sich die nachfolgenden mystischen Gemmen durch Schrift und Bildwerk mit wenigen Ausnahmen als in Ägypten entstandene kabbalistische Blendlinge des Juden- und Heidentums, mit einer Tendenz letzteres zu vergeistigen. Die christlichen Denkmäler haben einen ganz anderen Charakter. Zur näheren Erläuterung des eben Gesagten führe ich hier einige Abraxas an, welche sich im königlichen Museum zu Berlin befinden und von Toelken in seinem Katalog beschrieben sind.


*) Bei der Wichtigkeit, welche die Glaspasten m der Gemmenkunde einnehmen, war es notwendig hier etwas weitläufig zu verfahren.



Ägyptische Darstellungen mit dem Namen Abraxas

A. Grün und roter Jaspis. Drei widderköpfige Menschengestalten mit ägyptischem Schurz, von denen die mittelste ihre Arme gegen die beiden anderen ausstreckt; unten die Inschrift: [griech. Text.] (rechtsläufig).

B. Gelber Jaspis. Ein aufgerichteter Löwe mit einem Götterzeichen auf dem Haupt und in anbetender Stellung. Auf der Rückseite des Steines das Wort [griech. Text.] (rechtsläufig).



Oriment

Orientalisch anmutende
Ornament-Fingerringe.

Schmuck von Uschy Schleipfer, Frankfurt.
OrimentKlick für Großdarstellung



Ägyptische Darstellungen mit Engelnamen etc.

A. Gelber Jaspis, grün und rot gefleckt. Osiris oder Horus ganz in ägyptischer Weise dargestellt, mit dem Götterzeichen und der Haube auf dem Haupt, welches zugleich von drei Sternen umgeben ist, mit dem Schurz umgürtet und in der rechten Hand eine Lanze haltend, um welche sich eine Schlange windet, in der Linken einen Kranz, neben ihm die Inschrift: [unbek. Zeichen] (sic) [unbek. Zeichen] (rechtsläufig) (Gabriel, Zabaoth) im Felde einzelne Buchstaben und Zeichen. Auf der Rückseite des Steines Anubis, einen Palmzweig und einen Kranz haltend; neben seinem Kopfe zwei Sterne und im Felde eine Inschrift von neun zum Teil nicht griechischen Buchstaben nebst anderen Zeichen.

B. Magnet-Eisenstein. Ein menschliches Gerippe lenkt mit Zügel und Peitsche einen von zwei Löwen gezogenen Wagen, worin es aufrecht steht, in vollem Lauf über ein anderes am Boden liegendes Gerippe hinweg, während ein drittes Gerippe dicht vor den Löwen in aufrechter Stellung sitzt. Die ganze Fläche des Steines neben und zwischen den Figuren, der Wagen, die Räder und das sitzende Gerippe sind mit mystischen unverständlichen Worten in griechischer Schrift angefüllt


Griechische Darstellung mit Abraxas-Inschriften

A. Gelber Jaspis. Hekate-Bubastis, dreileibig, mit Martergeräten und zwei brennenden Fackeln in ihren sechs Händen, rings um sie her stoben Sterne und unter ihr der Name 'IAW' (rechtsläufig). Auf der Rückseite des Steines der Mond und drei Sterne nebst einer unlesbaren Inschrift.


Abraxas als symbolisches Götterwesen

Grün und roter Jaspis. Der Gott Abraxas stehend, mit Hahnenkopf und menschlichen Füßen, hält in der linken Hand einen Palmenzweig, in der rechten einen Beutel; im Felde der Name 'IAW' (rechtsläufig). Außer den hier angeführten gibt es noch viele Abraxassteine in Berlin und in anderen Museen; diese Steine sind daher nicht selten, haben aber auch keinen künstlerischen, sondern nur einen antiquarischen, aber deshalb nicht minder zu berücksichtigenden Wert.



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