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'Über Gemmenkunde' von Tobias Biehler (erschienen 1860) - Seite 9
Ein Inhaltverzeichnis mit Links zu den Seiten und Kapiteln finden Sie hier: Historische Texte.
Die Pasten (2. Seite)
Außer diesen Gefäßen wurde das Glas auch dazu gebraucht, die Fußböden der Zimmer damit zu belegen, und hierzu wurde nicht allein Glas von einer einzigen Farbe genommen, sondern buntes und nach Art von Mosaiken zusammengesetzt. Von der ersteren, einfarbigen Art von Fußböden haben sich in gedachter farnesischer Insel die Spuren von Glastafeln gefunden, die von grüner Farbe und in der Dicke mittelmäßiger Ziegel waren. In zusammengesetztem vielfarbigen Glase geht die Kunst bis zur Verwunderung in zwei kleinen Stücken, die vor wenigen Jahren in Rom zum Vorschein kamen: Beide Stücke haben nicht völlig einen Zoll in der Länge, und ein Drittel deselben in der Breite. Auf dem einen erscheint auf einem dunkelen, vielfarbigen Grunde ein blauer Vogel, welcher einer Ente ähnlich ist und an eine chinesische Malerei erinnert. Der Umriss ist sicher und scharf, die Farben schön und rein und von so lebhafter Wirkung als der Künstler nach Erfordernis der Stellen, bald durchsichtiges, bald undurchsichtiges Glas anbrachte. Der feinste Pinsel eines Miniaturmalers hätte den Zirkel des Augapfels sowohl als die scheinbar schuppigen Federn an der Brust und den Flügeln (hinter deren Anfang dieses Stück abgebrochen ist) nicht genauer ausdrücken können. Die größte Verwunderung aber erweckt diese Arbeit dadurch, dass man auf der umgekehrten Seite derselben den Vogel ebenso schön erblickt, ohne in dem geringsten Pünktchen einen Unterschied wahrzunehmen, woraus sich schließen lässt, dass dieses Bild durch die ganze Dicke des Stückes fortgesetzt sei *). Die Malerei erscheint auf beiden Seiten körnig und aus einzelnen Stücken, nach Art musaischer Arbeiten, aber so genau zusammengesetzt, dass auch ein scharfes Vergrößerungsglas keine Fugen daran entdecken könnte.
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Diese Beschaffenheit und das durch das ganze Stück fortgesetzte Gemälde machten es schwer, sich sogleich einen Begriff von der Ausführung solcher Arbeiten zu machen, und die Sache wäre auch noch lange Zeit ein Rätsel geblieben, wenn man nicht da, wo dieses Stück abgebrochen ist, alle, die ganze Dicke durchlaufenden Striche von eben denselben Farben wie auf der Oberfläche entdeckt hätte, woraus man schließen konnte, dass diese Malerei aus verschiedenen gefärbten Glasfäden gebildet und dann im Feuer zusammengeschmolzen worden sei. Es ist nicht zu vermuten, dass man so viele Mühe angewendet haben würde, dieses Bild nur in der unbeträchtlichen Dicke eines Sechstelzolles auszuführen, da in derselben Zeit mit längeren Fäden, und in einer Dicke von vielen Zollen ein langer Stab hergestellt werden konnte, der dann nur zerschnitten werden durfte, wodurch man eine bedeutende Zahl solcher Bilder erhielt. Das zweite, leider zerbrochene Stück, ungefähr von derselben Größe, ist auf eben diese Weise verfertigt. Es sind auf demselben Verzierungen von grünen, gelben und weissen Farben, auf einem blauen Grunde vorgestellt, die aus Schnörkeln, Perlenschnüren und Blümchen bestehen und mit den Spitzen pyramidenförmig zusammenlaufen. Alles dieses ist sehr deutlich und unverworren, aber so unendlich klein, dass auch ein scharfes Auge Mühe hat, den feinsten Endungen, in welchen sich die Schnörkel verlieren, nachzufolgen und dem ungeachtet sind alle diese Verzierungen ununterbrochen durch die ganze Dicke des Stückes fortgesetzt. Die Verfertigung solcher Glasarbeiten zeigt sich ebenfalls deutlich an einem in dem Museum des genannten Mr. Hamilton befindlichen Stab von einer Spanne Länge, dessen äußere Lage blau ist, das Innere aber eine Rosette von sehr verschiedenen Farben vorstellt, die in der gleichen Lage und Wendung durch den ganzen Stab hindurch gehen. Da sich nun das Glas in beliebig lange unendlich dünne Fäden ziehen oder zu Glasröhren bilden lässt, welche die ihnen gegebene Lage behalten, so wird daraus wahrscheinlich, dass man zu gedachten Glasarbeiten größere Röhren durch das Ziehen in unendlich Kleine ausdehnte.
*) Ein Altertumsforscher und Sammler zu Cortona, der Canonicus Sellari, besaß um 1790 ein ähnliches antikes Werk als Ringstein gefasst. Auf blauem Grunde war ein bunt gefiederter Vogel dargestellt, die Zeichnung an demselben war ebenfalls sehr genau bis ins Kleinste. Auf der Oberfläche konnte das schärfste Auge kaum die Fügungen der verschiedenen Glasfäden entdecken. Indessen zeigte eine kleine Beschädigung, dass sie durch die ganze Dicke des Stückes, welche etwa eine oder anderthalb Linien betragen mochte, durchliefen und so die Figur auch auf der anderen Seite zu sehen sein musste. (Über dieses merkwürdige Stück und ein anderes ähnliches lese man des Hofrats Reiffenstein Schreiben an Winckelmann über die Glasarbeiten der Alten. Der Kardinal Alexander Albani hat Versuche anstellen lassen, um diese Art von Glasarbeiten zu erneuern, wie Winckelmann am 14. Juli 1766 an Desmarest nach Paris schrieb.
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