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'Über Gemmenkunde' von Tobias Biehler (erschienen 1860) - Seite 4

Ein Inhaltverzeichnis mit Links zu den Seiten und Kapiteln finden Sie hier: Historische Texte.




Von der Methode in Stein zu Schneiden

Diese Technik ist sehr einfach. Die Edelsteine (gemmae) wurden zuerst von dem Steinschleifer (Politor) so hergerichtet, dass sie, je nachdem es der Künstler (Daktyliograph, Sculptor) bedurfte, eine gerade Fläche oder eine sanfte Wölbung bildeten. In beiden Fällen musste die Überfläche vollkommen glatt und glänzend poliert sein. Der Künstler bediente sich dann, wie noch heutzutage, eines kupfernen Rädchens, welches an dem Schleifkasten befestigt wurde. Der Dactyliograph hatte den Stein mittels eines sehr hart werdenden Kitts an ein Stäbchen angemacht und hielt ihn nun mit freier Hand gegen das sich drehende Rädchen, welches in die Oberfläche des Steines einzuschneiden begann. Um schneller gewisse Tiefen hervorzubringen, hatte man auch eigene, stets mit Öl befeuchtete Bohrer und zum Polieren verwendete man das Naxium, eine Art von Schmirgel oder das Ostrakion, nämlich das Pulver eines Steines von größerer Härte als der Achat. Die Anwendung des Diamantpulvers war den antiken Künstlern nicht bekannt *), und ebenso wenig wussten sie etwas von den Vergrößerungsgläsern, und es ist daher nur um so mehr zu verwundern wie sie so kleine Kunstwerke mit solcher tadellosen Vollendung liefern konnten, dass diese jetzt mit dem Vergrößerungsglase betrachtet wirklich nichts zu wünschen übrig lassen. Bei den Kameen fand dieselbe Technik statt, nur dass hier der Künstler zugleich sah, was er arbeitete, während er bei den Intaglien stets schwarzes Wachs zur Hand haben musste, um von Zeit zu Zeit den Fortgang seiner Arbeit durch Abdrücke beobachten zu können.



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Natter zieht die tiefgeschnittenen Steine den Kameen vor, weil die Arbeit an ersteren schwieriger ist. Mariette gibt ebenfalls zu, dass die Arbeit an Kameen nicht so schwierig zu sein scheine. Er behauptet aber doch, dass es, um Kameen zu schneiden, nicht genug sei, ein guter Zeichner zu sein und eine gute Hand zu haben, sondern dass man auch viel Verstand haben müsse, besonders um von den Farben der Steine einen solchen Gebrauch machen zu können, dass es scheine, als ob die Natur selbst das Werk zu Stande gebracht habe. Das Schneiden erhobener Figuren erfordere also ebenso viel Zeit, sei auch fast ebenso schwer, als das Schneiden tiefer Figuren und wird in unserer Zeit besser bezahlt. Wahrscheinlich benützten die Alten anstatt der eigentlichen Vergrößerungsgläser eine gläserne, mit klarem Wasser angefüllte Kugel, von Seneca 'pila' genannt, welche sie zwischen das Licht und die zu erhellenden oder zu vergrößernden Gegenstände stellten, wie auch einige Handwerker das noch heute zu tun pflegen. Die antiken Steinschneider pflegten, nach Plinius, wenn ihre Augen durch Anstrengungen erblödet waren, dieselben auf einen Smaragd zu richten und so zu stärken, weil das sanfte Grün müde Augen erquickt. Dass die Alten die Wirkungen der gläsernen Kugeln zum Beleuchten gekannt haben, erhellt aus Plinius, aber die Brillen waren ihnen wohl unbekannt, teils weil sie das Glas nur in Kugeln geblasen, teils weil sie solche Forschungen, zu denen wir unsere Augen bewaffnen müssen, entweder gar nicht angestellt hatten, oder weil, wenn sie es taten und wenn ihre Künstler und Handwerker sehr kleine und feine Arbeiten unternahmen, es vermöge ihrer ganzen Lebensart wahrscheinlich ist, dass sie sich mit der natürlichen Stärke und Schärfe ihrer Augen behalfen, und sich auch leichter behelfen konnten als wir, da sie alle Sinne zu einem höheren Grade der Vollkommenheit ausbildeten.


*) Heutzutage wirft man Diamantenstaub mit Öl angefeuchtet auf das kupferne oder stählerne Rad.





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