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Gebrauch der geschnittenen Steine
Es ist schon bemerkt worden, dass die Intaglien zum
Siegeln gebraucht wurden; sie wurden daher auch als kostbare Schaustücke in Ringe gefasst und am Finger getragen. Sie gehörten mehr der Männerwelt an. Die Kameen hingegen dienten mehr zum Schmuck der Frauen, welche dieselben als Agraffen zum Zusammenhalten des Mantels oder Oberkleides oder zur Verzierung ihrer Armbänder, Gürtel, Halsbänder, Ohrringe, Diademe, ja sogar ihrer Gewandsäume und Sandalen benutzten. Erst unter den letzten römischen Kaisern wurden sie auch von Männern getragen und zwar hauptsächlich als Mantelschließen oder auf Prunkwaffen. Nach dem Verfall des ost- und weströmischen Reiches trat eine gänzliche Auflösung aller Kunstzustände ein, und Jahrhunderte vergingen, bis die
Steinschneidekunst wieder aufblühte, und das war zuerst in
Italien, unter Lorenzo de Medici der Fall.
Man begann damit, dass sehr reiche Leute ihre Galakleider anstatt mit Knöpfen mit Kameen besetzten, und trug endlich sogar Medaillen, die von geschnittenen Steinen umgeben waren, auf den Hüten. Des weiteren benützte man die Kameen auch zur Verzierung von goldenen und silbernen Trinkgefäßen (vasa gemmata), wo man sie oft so reichlich anwandte, dass das ganze Gefäß aus geschnittenen Steinen zusammengesetzt erschien, so z.B. das mantuanische Gefäß im Museum zu Braunschweig und die Vase des Mithridates im kaiserlichen Kabinett zu Paris. Wie ungemein zahlreich bei den Antiken die daktyliographischen Arbeiten waren, geht schon daraus hervor, dass Pompejus (66 v. Chr.) nach der Besiegung des Mithridates nicht weniger als zweitausend
Edelsteine und Trinkgefäße nach Rom brachte. Der häufigere Gebrauch der Kameen brachte es auch mit sich, dass weit mehr derselben aus dem Altertum zu uns kamen, als Intaglien, doch mussten einst auch diese sehr häufig gewesen sein, da man noch keine Schlösser an den Türen anbrachte, und daher das Petschaft anstatt des Schlosses dienen musste.
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