Schmuck ist teuer.
Schon für den Preis eines einfachen, bei einem Goldschmied in Auftrag gegebenen Fingerrings aus
Gold könnte man sich auch zwei Wochen lang Super Last Minute an einen
kanarischen Strand legen. Oder sich fünfzig Taschenbücher und damit einen ganz guten Überblick über die Sternstunden der Weltliteratur zulegen. Oder während eines ganzen Sommers jeden Tag in einem Straßencafé eine halbe Stunde lang abschalten und eine
Latte Macchiato, meistens sogar noch mit einem Stück Kuchen genießen. Schon für den Preis eines mittleren Ringes aus
Platin könnte man dies alles sogar miteinander kombinieren.
Das wäre an sich nicht so tragisch, wenn wenigstens stattdessen der Goldschmied sich vom Erlös der Ringe an einen Strand legen könnte, aber leider deckt der Löwenanteil des Verkaufspreises lediglich die Kosten für die verwendeten, sehr kostspieligen Materialien ab.
Schmuck ist unbequem zu tragen.
Oder glauben Sie etwa, es wäre ein Spaß, den ganzen Tag unbeweglich aufrecht sitzen zu müssen, damit die schwere und unbequeme, aber furchtbar kostbare Krone nicht vom Kopf rutscht?
Harte Metalle und zarte Haut sind durchaus schwer zu vereinbarende Gegensätze: Durchbohrte und ausgerissene Ohr-, Scham- und sonstige Lippen und Läppchen,
Allergien, Hautabschürfungen, von Broschen angepikste Brüste und von Kolliers strangulierte Hälse. Kleidungsstücke, die sich in Schmuckstücken verhängen und Schaden nehmen.
Giftringe, die so schwergängig sind, dass man sich die Zähne daran ausbeißt.
Dazu kommt das lästige An- und Ausziehen der empfindlichen Kostbarkeiten, morgens, abends, vor und nach dem Händewaschen, dem Hanteltraining, dem Solarium, der Mülltrennung. Der
%@§#* Ehering, der nicht runtergeht, obwohl die neue Sekretärin ein wirklich flotter Feger ist. Der Stress bei den Sicherheitsschleusen der Flughäfen. Und die Frage wie man Kuchenteig unter
gefassten Diamanten wieder entfernen kann.
Schmuck bürdet Verantwortung auf.
Die Kombination von 'klein' und'kostbar' ist natürlich genau die Kombination, die auch Diebe, Einbrecher und Betrüger am praktischsten finden und sich deswegen oft darauf spezialisieren. Aber auch ohne die Mithilfe unangenehmer Zeitgenossen kommt Schmuck gerne abhanden. Gerissene Perlenketten und aus Fassungen herausgefallene
Edelsteine können ja ungeahnte kommunikative Effekte bewirken, und schon manche Freundschaft wurde im kollektiven Bemühen geschlossen, auf einem herrlich gemaserten Fußboden aus Marmor kriechend winzige Perlchen zu finden. Doch meist stellt man einfach nur nach der Party zuhause frustriert fest: 'Mist! Weg!', und wo vormals ein prachtvoller
Rubin geheimnisvoll leuchtete, gähnt nun der düstere Abgrund einer leeren Fassung.
Auf jeden Fall bürdet man sich mit Schmuck etwas auf, auf das man aufpassen muss, das behütet und gepflegt werden will. Was die ohnehin schon reichlich komplexen Geflechte von Verantwortlichkeiten in unserer modernen Gesellschaft nicht gerade entheddert.