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Schmuck im Goldrausch (2. Teil)

Zum Anfang des Essays: 1. Teil



Gold und Kupfer - da beide in der Natur in gediegener Form, also als reine Metalle und nicht nur als Erze vorkommen - waren die ersten Metalle, die von Menschen entdeckt und verwendet wurden. Mehr als 6.000 Jahre ist das her. Besonders Gold muss für die Menschen der Vor- und Frühgeschichte etwas Ungeheuerliches gewesen sein. Man konnte es ins Wasser und ins Feuer werfen, man konnte es dünn ausschlagen und wieder zusammenschmelzen - egal wie man es malträtierte, es erwies sich als unzerstörbar und verlor nie seine strahlend gelbe Farbe und Geschmeidigkeit, denn Gold ist ein Edelmetall, d.h. es oxidiert nicht, läuft nicht an und wird durch Umwelteinflüsse nicht beeinträchtigt. Gold ist so weich, dass man es mit dem Stein formen konnte, aber hart genug, damit formbeständige Gebilde zu schaffen. Und man konnte es mit den damals verfügbaren Methoden schmelzen und sogar schon löten.

Eine der wesentlichen Eigenschaften von Gold - und ohne diese wäre seine Geschichte völlig anders verlaufen - ist, dass es völlig unnütz ist. Zur Waffen- und Werkzeugherstellung ist es zu weich, um daraus Alltagsgegenstände, z.B. Gefäße, herzustellen, war seine Beschaffung viel zu mühsam.

Kurzum, es war dennoch faszinierend und auffällig, und da man es nicht verlieren wollte, aber damals Banktresore und Gucci-Handtäschchen noch nicht erfunden waren, wickelte man es sich einfach um die Finger.

Schnell wurde es dann in vielen Kulturen, z.B. in Ägypten, von der herrschenden Klasse beansprucht und war dieser dann exklusiv vorbehalten. Gold wurde somit geadelt und in einer weiteren Bedeutung des Wortes edel - das Wort edel leitet sich von Adel ab.

Wegen seiner wesentlichen Eigenschaften - Haltbarkeit (es gammelt nicht), Unverkennbarkeit (es ist prägnant und unfälschbar), Teilbarkeit (man kann davon in beliebige Quantitäten erzeugen), Begrenztheit (es war nicht mit unerwartet großen Goldfunden zu rechnen) und paradoxerweise seiner Unnützheit (es fehlte niemandem wirklich, wenn es in Schatztruhen gehortet wurde) wurde Gold dann auch die Basis für Geld, für Währung - das Synonym für Wert.



Prophetenring
Große Fingerringe mit
viel Raum für Assoziationen.

Schmuck von Uschy Schleipfer, Frankfurt.
ProphetenringKlick für Großdarstellung



Über die vielen Jahrtausende verlor Gold zunächst nur wenig von seinem Glanz.

Es büßte etwas seiner Singularität ein, als andere Metalle (z.B. Zinn, Blei, Zink und Eisen) entdeckt und daraus herstellbare Legierungen (z.B. Bronze bzw. das goldfarbene Messing) erfunden wurden - Metalle die, anders als Gold, in großen Mengen gewonnen werden konnten und durch ihre Härte so nützlich waren, dass sie die Menschheitsgeschichte (Bronzezeit und Eisenzeit) entscheidend beeinflussten.

Im 18. Jahrhundert wurden Platin und seine Nebenmetalle entdeckt, die sich als noch schwerer, edler und rarer als Gold erwiesen.

Dann jedoch, seit der Jahrhundertwende, wurde die Welt der verfügbaren Materialien und Bearbeitungsmethoden explosionsartig größer, und Gold büßte nach und nach seine exklusive Stellung in praktisch allen Bereichen ein. Mit Aluminium und Titan wurden beispielsweise Metalle verfügbar, die außerordentlich leicht, aber dennoch korrosionsfest sind und sich zudem - durch Anlauffarben oder Oxidation - mit beliebigen Farben überziehen lassen. Edelstahl wurde perfektioniert und somit - bei vielfach höherer Härte - ebenfalls völlig 'unvergänglich'. Kunststoffe wurden erfunden, wodurch die Materialwelt um Stoffe mit völlig exotischen Eigenschaften bereichert wurde - man denke nur an hochelastische und zähe, an lichtsammelnde oder selbstleuchtend transparente Kunststoffe. Irisierende Metallbedampfungen, Mikroprismenstrukturen, Hologramme und unendlich vieles mehr, und bald werden wir wohl auch äußerst ungewöhnlichen Schmuck aus Kohlenstoff-Nanoröhren bewundern können.





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