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Schmuck im GoldrauschIst Ihnen eigentlich schon aufgefallen, dass immer weniger Deutsche - und ich spreche hier nicht nur von ungebildeten Zeitgenossen - wissen, was ein Goldschmied ist?Schmuck wird von den heranwachsenden Generationen praktisch ausschließlich assoziiert mit Juwelieren (also Schmuckhändlern), mit den Schmuckabteilungen der Kaufhäuser, den Websites der bekannten Schmuckmarken und -Discounter sowie Internet-Tauschbörsen. In allen diesen Fällen handelt es sich gewöhnlich um Schmuck aus industrieller Massenproduktion. Da Goldschmiede, wie unzählige andere Handwerksberufe auch, aus dem Stadtbildern rapide verschwinden, ist immer weniger Menschen bewusst, dass Schmuckherstellung über Jahrhunderte hinweg im Wesentlichen individuelle Beratung und fachkundige Umsetzung von Kundenwünschen bzw. -visionen durch Goldschmiede bedeutete. Die Mechanismen dieser Entwicklung möchte ich kurz anhand jenes Metalls beleuchten, das der Branche ihren Namen gab, nämlich anhand des Goldes.
An sich hat Schmuck ja nicht unbedingt etwas mit Gold zu tun. Die ersten Schmuckstücke waren wohl vor 75.000 Jahren aus Muscheln und Schneckenhäusern hergestellt worden. In der Folge wurden für Nasen-, Finger-, Klitoris- und Zehenringe, für Ohrhänger, -stecker, -schieber, -ringe und -pflöcke, für Ketten und Broschen und vieles mehr alle erdenklichen Materialien benutzt, z.B. Perlen und Glas, Hölzer, Bein und Elfenbein, Leder und Haare, natürlich auch unzählige Metalle und Mineralien. Manche Völker schmückten sich mit Federn, manche Menschen mit fremden Federn und manche schmückten sich mit Orangen im Haar und an der Hüfte Bananen. Schmuck wurde als Zugehörigkeits-, oder auch distanzierendes Symbol zu gesellschaftlichen Strömungen, Gruppen und Klassen verstanden, als Exklusivitätsmerkmal und Statussymbol, als magischer oder heilender Fetisch, und er wurde - bisweilen - auch aus reinem Formgefühl getragen. Als gemeinsamer Nenner für alle Erscheinungsformen von Schmuck bleibt unterm Strich die Definition: Schmuck, das sind kleine Skulpturen, die am Körper getragen werden - wobei die Verbindung zum Körper mal mehr mal weniger intensiv ist. Fingerringe, die in ihrer Form ergonomisch an die Finger- und Handform des Kunden angepasst wurden und somit nur dieser einen Person richtig passen, haben einen sehr engen Bezug zum Träger; Broschen dagegen befinden sich schon weit von Körper entfernt und sind von diesem durch Stoff getrennt, der Körperbezug löst sich nahezu auf. Wenn wir die Schmuckwelt und Schmuckgeschichte betrachten, nimmt Gold darin eine Sonderstellung ein - wenngleich nicht bei allen Kulturen. Es gab durchaus Völker, die das Metall als unbrauchbar, weil zu weich, einfach wegwarfen, und wenn man einer jüngst veröffentlichten Studie über den subjektiven Glücklichkeitsgrad der einzelnen Länder dieser Welt glaubt, dann finden sich ausgerechnet solche Kulturen auffallend oft unter den glücklichsten. Und nicht selten erreichen uns aus der Antike Stimmen, die, wie der Römer Plinius vor 2000 Jahren, zetern: 'Das schlimmste Verbrechen gegen die Menschheit hat der begangen, der als erster Gold an die Finger steckte.' Dennoch: Gold hatte mal was. Lesen Sie weiter:
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