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Europäische Goldschmiedearbeiten 1560-1860
(Museum für Angewandte Kunst Frankfurt)

Das Museum für Angewandte Kunst Frankfurt zeigt vom 12.2. bis 1.8.04 die Ausstellung 'Europäische Goldschmiedearbeiten 1560 - 1860'. Es handelt sich um über 400 kostbare Objekte aus drei Jahrhunderten, die - aus privaten Sammlungen stammend - hier für begrenzte Zeit der Öffentlichkeit zugänglich gemacht werden. Gezeigt werden unter anderem Besteck, Geschirr, Flakons, Tabatieren, Leuchter und Schatullen. Der gewählte Zeitraum umfasst willkürlich die drei Jahrhunderte bis zum Beginn der Industrialisierung.


Um es gleich vorweg zu sagen: Wer unter dem Ausstellungstitel 'Goldschmiedearbeiten' (zu Recht?) Schmuck erwartet, wird enttäuscht werden. Die Ausstellung beschränkt sich ausschließlich auf Handwerkskunst im engeren Sinne, also Gebrauchsgegenstände ('Haus- und Kirchengeräte'); Schmuck wird nicht gezeigt.

Und wer Gold erwartet, wird ebenfalls nicht auf seine Kosten kommen, denn praktisch alle Exponate sind aus - zum Teil vergoldetem - Silber, und die meisten von ihnen sind auch eher typisch für die Arbeit von Silber- als die von Goldschmieden.


Sowohl die Ausstellung als auch die dazu erschienenen zwei Kataloge präsentieren die kunsthandwerklichen Gegenstände sachlich und nüchtern, unter knapper Angabe der verwendeten Materialien und Techniken, der räumlichen und zeitlichen Herkunft sowie der Hersteller, nebst deren Marken und Signets: Besteck, Geschirr, Leuchter, Tabatieren, Uhren, Flakons und mehr.


Großer Kerzenleuchter

Museum für Angewandte Kunst Frankfurt:
'Europäische Goldschmiedearbeiten 1560-1860'
Großer Kerzenleuchter, Andreas I WickertKlick für Großdarstellung Großer Kerzenleuchter, Andreas I WickertKlick für Großdarstellung


Die vorgestellten Werke stammen aus den unterschiedlichen Goldschmiedezentren Europas. Für fachkundiges Publikum besteht so die Möglichkeit, Unterschiede in Formgebung, Arbeitsweise und Spezialisierung unter den Meistern verschiedener Länder festzustellen. Die große Zahl, der mit ihren Werken in der Ausstellung vertreten, Augsburger Goldschmiede entspricht dem diesbezüglich internationalen Rang dieser Stadt.


Die beiden Kataloge (Hirmer Verlag München) von Dr. István Heller, dem Kurator der Ausstellung, beschreiben auf etwa 400 Seiten reich bebildert mehr als 200 Exponate. Ergänzt werden diese Beschreibungen durch Markentafeln, ein ausführliches Literaturverzeichnis sowie ein kleines Essay über die Geschichte der Zünfte. Die beiden Bände kosten im Museum zusammen 60 Euro, im Handel sind sie für 93 Euro zu haben.

(Link zu Amazon: Europäische Goldschmiedearbeiten 1560-1860).
(Link zu Amazon: Europäische Goldschmiedearbeiten 1560-1860, Band 2).



Man lässt in der Schau und in den beiden Katalogen die Exponate weitestgehend für sich sprechen, ohne den weiteren geschichtlichen, sozialen oder technologischen Kontext zu beleuchten; also ohne weiter zu erläutern, wer zu welchem Zweck diese Gegenstände besaß oder in Auftrag gab, wie sie und von wem hergestellt oder benutzt wurden, auf welchen Wegen die verwendeten Materialien zu den Herstellern gelangten, oder was die Besonderheiten der verwendeten Werkstoffe (z.B. Silber, Gold, Rubinglas, Email, Koralle, Elfenbein, Rhinozeroshorn, Serpentin, Aventurin) sind.

Es wird nicht versucht, die Besucher in die ihnen wahrscheinlich weitgehend unbekannte Welt zu entführen, aus der die gezeigten Kostbarkeiten stammen - in eine Welt, in der Nashörner und Elefanten noch magische Fabeltiere aus einer fernen Welt waren, in der fremde Rohstoffe noch abenteuerliche Wege zum Verbraucher zurücklegten, in der man noch Eier zum Auslöffeln lieber in silberne Eierbecher legte statt stellte, in der man aus Silberhumpen das Bier noch warm und gewürzt trank, in der Zucker eine neumodische und wertvolle Köstlichkeit für die oberen Zehntausend wurde, die Bedarf an Zuckerstreuern entdeckten, in der Noppen an Trinkgefäßen noch dazu dienten, dass man jene trotz fettiger Finger noch halten konnte, und in der Messer nicht unbedingt zu dem auf dem Tisch bereitgestellten Besteck gehörten, da man diese normalerweise im Schaft des Stiefels mit sich trug.


Die Ausstellung - ebenso wie der Katalog - ist für Kunsthistoriker, Sammler und Antiquitätenhändler sehr empfehlenswert.



Beispiele für Exponate der Ausstellung

. Großer Kerzenleuchter, Andreas I Wickert, Augsburg 1652-1653 (Katalog 27A)
. Deckelpokal in Form einer Birne, Jeremias II Flicker, Augsburg 1613-1617 (Kat. 12)
. Schraubflasche, Andreas Schissler (Schüssler), Neusohl 1670 (Katalog 40)
. Milchkanne, Johann Georg Träger, Augsburg 1767-1769 (Katalog 163A)
. Deckelbecher auf Fuß, Lorentz Johann Röper, Rostock 1717 (Katalog 79)







Ausstellungsdaten

. 12.2. - 1.8.04 Museum für Angewandte Kunst, Frankfurt (Diskussionsforum)


Ausstellungsort

. Museum für Angewandte Kunst in Frankfurt


Begleitprogramm der Ausstellung

Eine Übersicht über die Zusatzveranstaltungen und Führungen findet sich im Diskussionsforum von froufrou.de Goldschmiedearbeiten 1560-1860
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