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Die Gold- und Silberstadt Hanau und der Historismus - Teil 2
(Deutsches Goldschmiedehaus, Hanau)

Zum Anfang des Artikels: 1. Teil der Austellungsbesprechung



Das Deutsche Goldschmiedehaus in Hanau zeigt vom 15.2. bis 2.5.2004 die Ausstellung 'Die Gold- und Silberstadt Hanau und der Historismus'.

Die Frage 'In welchem Style sollen wir bauen?', die der Baumeister und Professor Heinrich Hübsch in einem Aufsatz (Karlsruhe: Müller) 1828 aufwarf bzw. beantwortete, ist kennzeichnend für die Stilentwicklung des Historismus. Nachfolgend daher eine Leseprobe aus diesem Aufsatz, der 1828 anlässlich einer Säkularfeier für Albrecht Dürer entstand.


H. Hübsch definiert 'Styl' in der Architektur so:


"Um zuerst den Begriff von Styl fest zu stellen, so zeigt der Gebrauch dieses Wortes - indem z. B. sämmtliche griechische Baudenkmahle im griechischen Style, sämmtliche maurische Denkmahle im maurischen Style gebaut heiszen - dasz unter Styl etwas Allgemeines verstanden werde, welches allen Gebäuden eines Volkes zukommt, sie mögen zur Gottesverehrung, zur Staatsverwaltung, zum Unterrichte u.s.w. bestimmt sein. Nun ist die allgemeinste Anfoderung an alle verschiedenartigen Gebäude Abschlieszung eines bestimmten Raumes, so dasz derselbe zugänglich und beleuchtet und, wie er innerlich einen geschützten Aufenthalt gewährt, auch der Dauer wegen äuszerlich selbst wieder gegen das Wetter geschützt sei.

Hieraus ergeben sich folgende wesentliche Theile des Gebäudes. Zur Abschlieszung wird erfordert die Decke und deren Unterstützung, welche letztere entweder zugleich Abschlieszung gegen die Seiten durch Wände ist, oder allein Unterstützung der Decke. Wenn nämlich entweder ein bedeckter Raum von solcher Grösze verlangt wird, dasz sich die Decke nicht von einer bis zur andern Umfassungswand frei tragen kann, oder wenn nur eine Decke und keine Abschlieszung gegen die Seiten, wenigstens nicht gegen alle Seiten verlangt wird (eine offene Halle); alsdann werden im ersten Falle zwischen den Umfassungswänden und im zweiten Falle an den offen bleibenden Seiten von Stelle zu Stelle Pfeiler oder Säulen errichtet, welche oben eine Verbindung untereinander erhalten. Auf dieser von Pfeifer zu Pfeiler reichenden Verbindung oder Pfeiler-Ueberspannung, welche nach Umständen von verschiedener Höhe, aber gewöhnlich nur so breit ist, als die Pfeiler dick sind, findet die Decke ein fortlaufendes Auflager, wie auf einer Wand. Wenn die Decke aus Kreuzgewölben besteht, so sind deren Rippen als die Pfeiler-Überspannungen anzusehen.

Die der Zugänglichkeit und Beleuchtung halber in den Wänden angebrachten Thür- und Fenster - Oeffnungen erhalten Ueberspannungen, wie solche bei den Pfeilern statt finden, worüber sich alsdann die Wände beliebig fortsetzen. Wegen des äuszerlichen Schutzes erhält die Decke eine Verdachung (zuweilen eins und dasselbe mit ihr), deren vorspringender Rand das Hauptgesimse bildet - wenigstens ist dasselbe in den meisten Fällen Vorsprung der Dachfläche.

Diese aus der allgemeinsten Aufgabe der Architectur hervorgehenden wesentlichen Theile müssen demnach als die Elemente des Styls angenommen werden. Bei der historischen Untersuchung finden sich diese architectonischen Elemente wirklich als das Allgemeinere in allen verschiedenen Fällen gleiche Gestalt Behauptende vor: so dasz der Unterschied zwischen den Denkmahlen eines und desselben Volkes und einer Zeit nur in der ihren verschiedenen Bestimmungen gemäszen mannichfaltigen Zusammenstellung und Anzahl von Wänden, Decken, Pfeilern oder Säulen, Thüren, Fenstern, Verdachungen und Gesimsen besteht, welche alle wieder in verschiedenen Dimensionen und in verschiedenem Grade verziert erscheinen und überhaupt nach der Wichtigkeit ihrer Bestimmung mehr oder weniger opulent gehalten sind. Auszerdem geht ein gleicher Typus selbst bis ins Detail der Verzierung durch. Und endlich zeigt sich, dasz auch die spezciellen Bedürfnisse insoferne beim Style mitwirken, als denselben bei dem einen Volke, trotz ihrer Verschiedenheit unter sich, dennoch gegen die gesammten Bedürfnisse eines andern Volkes ein gleicher Hauptcharacter zukommt.

Gegenwärtige Untersuchung befaszt sich also nur mit der allgemeinen Gestaltung und Zusammenstellung der architectonischen Elemente, nicht aber mit ihrer specielleren Gestaltung und Zusammenstellung nach der besonderen Bestimmung der Gebäude, worin hauptsächlich das Wirken des Künstlers besteht und worin sich sein Talent beurkundet. Und ihr Zweck geht nur dahin, dem Künstler seinen Gegenstand der Hauptsache nach klar zu machen, und eine sichere Basis für die Kritik zu geben, welche über Werke der Architectur deszwegen so verschieden ausfällt, weil man hier wirklich noch nicht einmal über das Abc einig ist."




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Ausstellungsdaten

15.2. - 2.5.04 Deutsches Goldschmiedehaus, Hanau
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Ausstellungsort

Das Deutsche Goldschmiedehaus in Hanau
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