Die Gold- und Silberstadt Hanau und der Historismus
(Deutsches Goldschmiedehaus, Hanau)
Das Deutsche Goldschmiedehaus in Hanau zeigt vom 15.2. bis 2.5.2004 die Ausstellung 'Die Gold- und Silberstadt Hanau und der Historismus'.
Der kunstgeschichtliche Begriff 'Historismus' ist eine Sammelbezeichnung für verschiedene Stilrichtungen des späten 18. und des 19. Jahrhunderts (z.B. Neugotik, Neorokoko, der "nationale Stil", Neubarock, Rundbogenstil), denen gemeinsam ist, dass sie Stilelemente, aber auch geistige und sittliche Vorstellungen vergangener, möglichst heroischer Epochen aufgriffen und in den damaligen Zeitrahmen, also das Zeitalter der Industrialisierung, zu integrieren versuchten. Auch Anregungen aus dem Vorderen Orient oder dem Fernen Osten gesellten sich zu den Stilwiederholungen aus Europa. Der Historismus im engeren Sinne hatte diese verschiedenen Stilrichtungen auch bunt gemixt bzw. glorifiziert, was empfindliche Augen heute leicht kränken kann.
Die Frage '
In welchem Style sollen wir bauen?' (
Leseprobe), die der Baumeister und Professor Heinrich Hübsch in einem Aufsatz 1828 aufwarf bzw. beantwortete, ist kennzeichnend für die Stilentwicklung dieser Epoche. Erst relativ spät, ab den 1960er Jahren, fand der Historismus seine Anerkennung in der Kunstgeschichte.
Schwerpunkt der Ausstellung ist das Silber des Historismus aus Hanauer Produktion. Sowohl der Adel als auch das wohlhabende Bürgertum verlangten nach repräsentativen und dekorativen Silberwaren. Becher, Humpen, Pokale, Kannen, Schalen, Leuchter, Tischaufsätze, ganze Service, Bestecke sowie sakrales Silbergerät in verschiedenen Stilformen wurden in den zahlreichen ansässigen Werkstätten entworfen und hergestellt.
Auf den Weltausstellungen waren die herausragenden Erzeugnisse der Hanauer Gold- und Silberwarenfabrikation zu sehen und erschlossen sich dadurch einen europa- und weltweiten Abnehmerkreis. Es war aber auch die letzte große Produktionsepoche des hiesigen Edelmetallgewerbes.
Die Ausstellung im Deutschen Goldschmiedehaus gibt den Blick frei auf die reichhaltige und qualitätvolle Produktion der Hanauer Werkstätten aus dieser Zeit.
Darüber hinaus zeigt die Ausstellung einen Querschnitt des Hanauer Kunstgewerbes von der Gründerzeit bis zum Beginn des Ersten Weltkrieges: die Reichhaltigkeit Hanauer Eisenkunstgusses, Entwürfe und Festschriften, Mobiliar, Postkarten und Ansichten der Stadt.
Abgesehen von einigen Beispielen für die Perfektion in der Technik des Eisenkunstgusses ist leider kein Schmuck auf der Ausstellung zu sehen, jedoch viel über die Geschichte der Staatlichen Zeichenakademie in Hanau zu erfahren.
Zur Ausstellung erscheint ein Katalog mit 216 Seiten im Hardcover zum Preis von 20 Euro. Er zeigt alle Exponate der Ausstellung sowie viele Abbildungen zur Hanauer Architektur und Industrialisierung. Mit seinen ausführlichen Objektbeschreibungen und den Aufsätzen über Historismus im Kontext der Industrialisierung ist das Buch nicht nur für Personen, die sich für Hanauer Stadtgeschichte interessieren, sehr empfehlenswert. Leider ist der Band meines Wissens nur in Hanau und nicht im freien Buchhandel erhältlich.
Ausstellungsdaten
15.2. - 2.5.04 Deutsches Goldschmiedehaus, Hanau
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Ausstellungsort
Das Deutsche Goldschmiedehaus in Hanau